Als Unternehmer und Ingenieur engagiere ich mich für eine nachhaltige Energiezukunft. Ich sehe jedoch, dass technisch-unternehmerisches Handeln von ökonomischen Rahmenbedingungen begrenzt wird - weshalb ich mich auch mit Wirtschaft & Gesellschaft befasse. 

 

In diesem Sinne steht ibee auch für "institute for balanced ecology & economy" :-) 

 

siehe auch Statements auf Politik-Plattform-Vimentis

12 Thesen zu Glauben, Geld und Energie

1. Konkurrenz ist natürlich, Kooperation ist Kultur.

2. Die Einigung auf eine gemeinsame Ethik ist wichtiger als das Festhalten an alten Regeln.

3. Freier Markt funktioniert mit moralischen Gefühlen und persönlicher Haftung.

4. Unterentwicklung entsteht, wenn ein etabliertes Regime stark genug ist, um schöpferische Zerstörung zu unterbinden.

5. Rendite ist zu erhoffen, aber Zins nicht zu erzwingen.

6. Hunger resultiert weniger aus Knappheit denn aus grossen Kaufkraft-Unterschieden.

7. Fossile Brennstoffe sind eine Verführung der Hölle.

8. Ein Sozialstaat kann/soll durch Tauschmittel-Schöpfung seine Infrastruktur finanzieren.

9. Einkommensungleichheit ist von (nationalen) Währungsräumen geprägt.

10. Freihandel ist zweckmässig, wenn damit Einkommensungleichheit ausgeglichen statt ausgenutzt wird.

11. Erneuerbare Energien sind zur Überwindung der historisch erkämpften Einkommensungleichheit notwendig.

12. Eine Welt mit reduzierter Einkommensungleichheit ist möglich und erstrebenswert.

 

Stand 1.12.2017; eine Publikation von Argumentation und Herleitung der Thesen folgt 2018.

Mein Lösungsweg geht vorerst in die Richtung, den "Geld"-Begriff zu hinterfragen (Tauschmittel, Wertmasstab, Wertaufbewahrung). Interessant finde ich Ansätze von umlaufgesicherten Regionalwährungen - ausgerichtet am lokalen Konsumkreislauf (Lebensmittel, Wohnraum, erneuerbare Energie, Gesundheit, Bildung) - und genossenschaftliche Unternehmensstrukturen (siehe Genossenschaftswesen).

 

Auf internationaler Ebene sind Währungen mit Rendite und Konkursrisiko für den Investitionsgütermarkt zweckmässig, die hier agierenden kapitalistischen Unternehmen sollten jedoch keinen Anspruch auf staatliche Hilfe haben (vergleiche Staatshilfen für Banken, Automobilhersteller, ...). Genossenschaftliche Währungsräume können Resilienz bringen und ein Ausweg aus Einkommensungleichheit-kultivierenden National-Währungen sein. 

 

Zur Integration von ökologischen Rahmenbedingungen finde ich Cap and Share Konzepte vielversprechend (bzw. Cap & Dividend, "lustige" Youtube-Illustration dazu), möglicherweise mit Ausschüttung via ein bedingungsloses Grundeinkommen. 

11.12.2013: "Burnout-Prävention für Homo Oeconomicus", meine Erkenntisse zu Geld und dem Traum der Wertaufbewahrung. Konsumieren & Investieren führt beides nur bis zu einem gewissen Mass zu Wachstum & Glück. (Anknüpfend an "Mein Standpunkt" von Beat Kappeler, 8.12.2013, NZZ am Sonntag)

 

02.03.2014: "Migrations-Abwehr oder Wohlstands-Ausgleich", Gedanken inspiriert vom Ja zur "Masseneinwanderungs-Initiative" und der Geschichte der East India Company.

 

30.6.2014: "Glaubens- und Gesellschaftsentwicklung": Über göttliche Macht und Verantwortung in der Demokratie, inspiriert von den Kämpfen der Isis im Zweistromland. 

 

1.8.2015: "Interaction of Global Income Inequality and Energy: Can Europe Maintain Wealth Sustainably if Asia Gains Purchase Power?": Die Preisverhältnisse zwischen Arbeit, Kapital und Energie entscheiden über die Attraktivität einer Industrialisierung. Die Industrialisierung setzte in Europa ein, weil es sich anmasste, die nachhaltige Indianerkultur Nordamerikas zu verdrängen. Zur Kolonialisierung stand viel Land knapper Arbeit gegenüber, was Anreiz zur Mechanisierung gab. In der chinesischen Hochkultur, wo viele Arbeitskräfte auf limitierter Fläche lebten, war Mechanisierung hingegen kein attraktiver Weg. Hätte sich die Industrialisierung global gleichmässig entwickelt, hätte sich nie eine solch energieintensive Lebensweise entwickeln können, wie sie in der westlichen Überflussgesellschaft lokal begrenzt praktiziert wird. Energieverfügbarkeit und globale Einkommensungleichheit spielen eng zusammen. Eine ausgeglichenere Welt ist nur mit unbeschränkter Energie möglich - mit erneuerbarer Energie. 

Energy & global income inequality
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Eine relativ ausgeglichene globale Wohlstandsverteilung zwischen Ost und West hat Europa vor gut 200 Jahren mit der Unterwerfung Asiens beendet. Der wirtschaftliche Erfolg von Europa und den USA baut seither auf der Verfügbarkeit billiger Energie auf. Seit 40 Jahren wird über eine absehbare Verknappung der fossilen Brennstoffe debatiert, und seit vielen Jahren auch über die Risiken einer Klimaveränderung und die Gefahren der Atomkraft. Die technischen Möglichkeiten für eine erneuerbare Energieversorgung sind fortgeschritten; ökonomische Anreize zur Vorbereitung einer nachhaltigen Energiezukunft werden jedoch nur zögerlich eingeführt, da kurzfristige Wettbewerbsnachteile (u.a. gegenüber Asien) höher gewichtet werden als langfristige Umwelt-Risiken, die Asien (und Afrika) möglicherweise härter treffen als Europa und die USA. Entwicklungshilfe mag das moralische Gewissen beruhigen, doch mit limitierten natürlichen Ressourcen lässt sich das energieintensive Erfolgsmodell des Westens nicht global umsetzen, und ein globaler Ausgleich vom Lohnniveau würde ein weniger komfortables Leben in Europa und den USA bedeuten. Ein Ausgleich durch Wohlwollen ist wenig wahrscheinlich, solange es billiger ist, Vorteile und Grenzen zu verteidigen und Migration möglichst zu unterbinden. 

 

Seit den 90er Jahren weiss eine Führungselite in asiatischen Tigerstaaten das tiefe Lohnniveau kapitalistisch-erfolgreich zu ihren Gunsten zu nutzen; ein globaler Ausgleich vom nationalen Lohn- und Wohlstandsniveau würde ihr undemokratisches Erfolgsmodell gefährden. Hält die chinesische Führung aus demselben Grund ihren Yuan gegenüber dem US-Dollar tief? Dieses ökonomische Ungleichgewicht – eine von amerikanischer Verschuldung getriebene chinesische Exportindustrie – sollte sich in absehbarer Zeit zugunsten eines  verstärkten chinesischen Binnenkonsums ausgleichen. Die Nachfrage nach Energie wird proportional zu der chinesischen Kaufkraft steigen. Die global gehandelten Energieressourcen werden für den chinesischen Konsumenten günstiger – für den Westen wird Energie knapper und teurer. Über den Produktionsenergiebedarf steigen dann im Westen die Preise von nahezu allem – inklusive Nahrung & Wohnraum – und Billig-Importe aus Asien entfallen. Es liegt in den Händen der kommunistischen Partei Chinas, das Tor zu diesem Wandel zu öffnen – früher oder später. Ein zögerliches Vorgehen verhindert Turbulenzen. Die britische East-India-Company als Pionier der kapitalistischen Unternehmung hat mit der Eroberung Indiens einst innert wenigen Jahren den „Fluss vom Wohlstand“ gewendet. Ob kommunistisch oder nationalistisch motiviert - findet China in den nächsten Jahren den Weg zum Ausgleich?

 

Möglicherweise innert kurzer Zeit wäre in Europa und den USA ein energiearmes Wirtschaften nötig, wie es sich heute nur „Öko-Idealisten“ vorstellen. Die ökonomischen Gleichgewichtskräfte können weder den Klimawandel noch das Problem der limitierten Ressourcenverfügbarkeit lösen, die Argumentation via Wohlstands-Ausgleich führt jedoch zum selben unbequemen Schluss: Dass die heutige Überflussgesellschaft zu kollabieren droht, wenn sie sich nicht auf eine nachhaltig-erneuerbare Energieversorgung vorbereitet. 

Neustart Schweiz - 2000-Watt-gesellschaftsfähige Nachbarschaften, mit Vertragslandwirtschaft. Im Raum St.Gallen entwickelt sich der Verein "Mehrgenerationen-Projekte" (MGP, hier meine Skizze dazu) in diese Richtung.

Institute / Professoren / "Sponsoren", welche Studien in diese Richtung unterstützen, mögen sich bitte melden. Oder hinterlassen Sie mir Ihre Gedanken zu dem Thema:

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Kommentare: 1
  • #1

    H.Studer (Dienstag, 17 Juni 2014 14:31)

    Schwarzbuch Baumwolle - Was wir wirklich auf der Haut tragen, Andreas Engerhardt, Deuticke Wien 2012
    Reisebericht eines T-Shirts - Ein Alltagsprodukt erklärt die Weltwirtschaft, Pieta Tivoli, Econ Berlin 2006

ibee studer

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Genossenschaft Solar St.Gallen, gegründet 2012, produziert Solarstrom für über 300 Haushalte. Innert 3 Jahren hat ibee studer Projekte mit über 1000 kWp ans Netz begleitet.

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ADEV Energiegenossenschaft bzw. ADEV Solarstrom AG, Betreiber von über 50 Solarstromanlagen in der ganzen Schweiz, sowie Wasser-/Windkraftanlagen und Holz/BHKW-Wärmeverbünden. Hierfür habe ich gearbeitet, bevor ich in St.Gallen selbstständig wurde.

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www.ebf-gmbh.de (Heppenheim)