Burnout-Prävention für Homo Oeconomicus

Konsumieren & Investieren bringt beides nur bis zu einem gewissen Mass Wachstum & Glück

Geld sei Tauschmittel, Wertmassstab und ermögliche Wertaufbewahrung – wirklich? Sind das nicht drei Funktionen, drei verschiedene Dinge? Der Schweizer Franken CHF ist hierzulande Wertmassstab. Münzen und Bankkonten orientieren sich an demselben Wertmassstab CHF, sind jedoch unterschiedliche Tauschmittel. Die Wertaufbewahrung erfolgt hingegen ausschliesslich durch Ansprüche auf zukünftige Erträge, die mit einem Eigentum verbunden sind. 

 

Das Eigentum einer Mietwohnung verspricht Mieteinnahmen, das Eigentum eines Unternehmensanteils Gewinn – und wenn das Unternehmen keinen Gewinn macht? Dann hat die Wertaufbewahrung nicht funktioniert. Das „Kapital“, die abdiskontiert-aufsummierten Zukunftserträge, wird auch im Wertmasstab CHF gemessen. Aber Wertaufbewahrung bringt der CHF nicht, wenn der Ertrag tiefer als erwartet ist. Das ist das Problem der Bank, die ein Darlehen für das überschätzte Eigentum ausgestellt hat, und auf der anderen Seite die Wertaufbewahrung vom Bankkonto sicherstellen sollte. Keynes erahnte 1943 (CW Vol.27), dass irgendwann eine Wirtschafts-Zyklusphase kommen wird, wo nur noch „wasteful and unnessesary investments“ anstehen.

 

Banken „retten“ zu müssen ist ärgerlich, aber: Das Tauschmittel Bankgiro ist so selbstverständlich, dass nach dessen Erliegen jegliche wirtschaftliche Transaktionen zur Herausforderung würden. Die Banken haben es im heutigen Wirtschaftsumfeld schwer, ihre Wertaufbewahrungs-Mittlerfunktion zu erfüllen. Die Bank finanziert mit unserem Ersparten beispielsweise eine neue Automobil-Fabrik. Wenn der Automobil-Markt wächst, bleibt das Kapital erhalten und verzinst sich. Wenn der Markt nicht wächst, ist die neue Fabrik nicht ausgelastet, die erwarteten Zukunftserträge bleiben aus, die Bank erhält den Kredit nicht mehr zurück bezahlt. Wohin soll die Bank mit dem „Geld“, wenn es keine attraktiven Investitionsmöglichkeiten, kein Wachstum gibt?

 

Auch wenn Ökonomen zu beweisen versuchen, dass eine gesunde Wirtschaft wächst – die Grenzen des Wachstums sind seit einiger Zeit ein Thema – und Realität? Die Wirtschaft muss wachsen – wegen mir nicht, aber: Um die Wertaufbewahrung und Vermehrung vom „Kapital“, vom Ersparten sicher zu stellen. Wenn heute Zinsen unter dem Inflationsniveau liegen, ist die Wertaufbewahrung nicht gegeben. Wenn die Wertaufbewahrung nicht funktioniert – lieber mehr konsumieren statt sparen? Keynes empfiehlt (CW Vol.27): "To encourage wise consumption and discourage savings, and to absorb some part of the unwanted surplus by increased leisere, more holidays and shorter hours." Macht mich Mehrkonsum wirklich glücklicher? Ich belaste damit die Umwelt, das macht mich unglücklich. Glücklicher bin ich, wenn ich mehr Zeit habe, wenn mich weniger Pflichtarbeit stresst. Wenn ich weniger arbeite, verdiene ich weniger Geld – ja und? Geld für Konsum oder Investitionen einzusetzen führt beides nur bis zu einem gewissen Mass zu Wachstum und Glück. Fleiss und Sparsamkeit haben sich als gesellschaftliche Tugenden etabliert, doch sie könnten beim Homo Oeconomicus zum Burnout führen. Nicht nur ein psychisches Burnout wegen Überarbeitung. Mit den fossilen Brennstoffen „verheizt“ Homo Oeconomicus auch seine Lebensgrundlage (burn); bis sich die Erde des Homo Oeconomicus evolutionär entledigt (out).

 

Die ökologischen Lebensgrundlagen als etwas „Externes“ zu bezeichnen ist fragwürdig; aber die sogenannte Internalisierung von negativen „externen“ Effekten (= die Kosten der Umweltverschmutzung zu bezahlen) wichtiger als eine (nicht-nachhaltig-) wachsende (zu isoliert betrachtete) „Wirtschaft“. Soweit waren Lenkungsabgaben politisch meist nur unter dem Niveau durchsetzbar, ab dem sie wirksam zur angestrebten unbequemen Handlungsänderung motivieren würden. Wenn sich der Homo Oeconomicus zum Homo Oecologicus entwickelt und ökonomische Anreize auf Nachhaltigkeit statt Wachstum ausrichtet, gibt es auch wieder Hoffnung auf Wertaufbewahrung. Erstens bleibt der unverzichtbare Wert unserer natürlichen Lebensgrundlage erhalten. Und zweitens dürfen Fleissige dann wieder sparen: Unter den richtigen Rahmenbedingungen bietet der Infrastruktur-Aufbau für eine erneuerbare Energieversorgung ausreichend attraktive Investitionsmöglichkeiten.

 

Die „Angebotsökonomie“ versucht Keynes Erkenntnisse zu widerlegen und beruft sich wieder auf das Say’sche Gesetzt. Dass jedes Angebot seine Nachfrage schafft, funktioniert bei Tauschhandel, und solange Geld mit (knappem) Gold gedeckt ist, ist ein Geldgeschäft ein Tausch von Ware gegen (temporäre) Wertaufbewahrung. Fiat-Geld ist heute aber nur noch mit dem Vertrauen in das Kapital "gesichert", und wenn die Nachfrage nach Wertaufbewahrung grösser ist die erzielbaren Zukunftserträge, funktioniert die Wertaufbewahrung via Kapital und damit auch via Geld nicht mehr. Statt Finanz-Blasen entstehen und platzen zu lassen, wären situativ negative Zinsen nötig. Im Gegensatz zu 1930 wurde in der Finanzkrise ab 2008 das private Kapital „gerettet“, zulasten der Staatsfinanzen. Arbeitslosigkeit verbreitet sich dennoch. Nur kann sich der Staat keynesianische Stimulationsprogramme nicht mehr leisten, und Umweltschutz scheint nicht finanzierbar. 

 

„On the long run, we are all dead“, sagte Keynes mit Blick auf kurzfristig zu lösende Inflations- & Arbeitsmarkt-Herausforderungen; Dass sich die Wogen langfristig glätten, ist im Sturm ein schwacher Trost. Mittlerweile ist Keynes tot, einige Stürme wurden mit seiner Theorie bewältigt. Nun sollten wir bedenken, dass Keynes Schiff langfristig der Treibstoff ausgehen könnte und zukünftige Stürme den Homo Oeconomicus wegschwemmen könnten. Nachhaltigkeit muss sich als neues ökonomisches Paradigma etablieren. 

 

 

Dezember 2013, Rückmeldungen willkommen an hs@ibee-studer.net (www.ibee-studer.net - „Investition und Beratung für erneuerbare Energien“, bzw. „institute for balanced economy and ecology“ :-) 

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