Ein gewisser Tom Nicholson schreibt am 14.10.2016 auf Facebook, und erhält innert 10 Tagen 493'709 Likes dafür: "Ein Typ schaut meine Corvette an und sagt - es nimmt mich Wunder, wie viele Leute mit dem Geld ernährt werden könnten, das dieser Sportwagen gekostet hat. Ich antwortete, dass ich das nicht genau weiss; es hat viele Familien in Bowling Green, Kentucky ernährt, welche es gebaut haben, es hat die Leute ernährt, welche die Reifen gefertigt haben, die verbauten Komponenten, jene, die das Kupfer für die Kabel in den Minen abgebaut haben, es hat Leute ernährt, in Decatur IL bei Caterpillar, welche die Trucks gebaut für die Kupferminen gebaut haben. Es het die Lastwagenfahrer und die Händler und ihre Familien ernährt. Aber, ... ich muss zugeben, ich weiss wirklich nicht, wie viele davon ernährt wurden. 

Das ist der Unterschied zwischen Kapitalismus und Wohlfahrts-Mentalität. Wenn man etwas kauft, gibt man jemandem Geld in die Tasche, und würdigt ihn für seine Fähigkeit. Wenn man jemandem etwas gibt für nichts, dann raubst man ihm Würde und das Selbstwertgefühl. Kapitalismus ist ein freiwilliges Geben von Geld im Austausch mit etwas werthaltigem. Sozialismus ist Geld gegen deinen Willen einzukassieren und jemandem etwas in die Kehle schaufeln, nach dem er nie gefragt hat."

Es lohnt sich, für einen Moment zu überlegen, was daran bedenkenswert und was doch fragwürdig ist. Die Frage ist, weshalb Herr Nicholson die Kaufkraft hat, sich ein solch teures Auto leisten zu können, welche der Chilenische Minenarbeiter wohl nicht hat. Woher kommt die Einkommensungleichheit, inwiefern lässt sie sich rechtfertigen - oder auskosten - und (wie) kann sie überwunden werden?

Der Kapitalismus tut sich schwer mit der Einkommensungerechtigkeits-Frage. Solange alle anständig leben können - sind grosse Einkommensunterschiede nur eine Frage des Neids? Aber in der Realität hungert niemand, weil es zu wenig Essen gäbe - sondern weil die Kaufkraft sehr ungleich verteilt ist. Ein Rohstoffhändler beschreibt seinen Job damit, dass er Güter von Orten, wo keine Nachfrage besteht, dorthin vermittelt, wo sie gefragt sind. Doch leider verwechselt er Nachfrage und Kaufkraft (Zitat aus Rohstoff-Report von PublicEye). 

 

Kuznets-Kurve -> Piketty - Abnahme der Einkommensungleichheit keine Selbstverständlichkeit.

Entstehung der globalen Einkommensungleichheit

Ob man Reich oder Arm ist, ist bis 1600 primär eine Frage der Gesellschaftsklasse. Ob in Europa oder Indien: Eine kleine herrschende Klasse ist wohlhabend, die Mehrheit lebt nahe am Subsistenzminimum. Im 20. Jahrhundert mag der europäische Mittelstand durchschnittlich hingegen mehr Einkommen haben als ein Afrikaner der Oberschicht. In welche Gesellschaftsklasse man hinein geboren wird, ist bezüglich Wohlstandsperspektive nicht mehr so entscheidend, wie in welchem Land man geboren wird. Dieser Trend ist seit einigen Jahren wieder rückläufig. Doch vorerst wagen wir uns an ein Modell, welches die Entstehung der internationalen Einkommensungleichheit erklären mag. 

 

6 bis 8 Megajoule pro Tag - rund 500 Gramm Reis - so viel Nahrungsenergie braucht der Mensch täglich - seit  20'000 Jahren und wo auch immer auf der Welt (vergleiche Teil 1, Wertmassstab). Wenn man Fleisch isst, so hat das Tier bereits die doppelte Menge an Primärenergie gefuttert. Mit der tierischer Arbeitskraft erschloss sich der Mensch eine erste Energiequelle, die über seine eigene Arbeitsleistung hinaus ging. Landwirte stellen mit Heulieferungen die Energieversorgung der urbanen Mobilität sicher. Es folgen Wasserräder, Windmühlen und Schiffe, welche mit der Kraft des Windes über die Weltmeere kreuzen. Die Zivilisationsentwicklung ist eine Geschichte der Energieausbeute. 

Täglicher Energiebedarf pro Person (Ian Morris 2012)

 

Vergleicht man den für ein Entwicklungsniveau typischen Energieeinsatz mit dem länderspezifischen Verbrauch, so bewegt sich Afrika und Indien irgendwo auf dem Niveau von Ackerbau und höherer entwickelter Landwirtschaft, und China auf jenem der Industriegesellschaft. Zwischen Energiebedarf und Einkommen pro Person ist auf der nachfolgenden doppelt-logarithmischen Darstellung einen Zusammenhang zu erahnen. Die Korrelation ist nicht strikt: Der Durchschnittschweizer mit 224 USD/Tag und 351 MJ/Tag verbraucht deutlich weniger Energie als der US-Amerikaner mit 155 USD/Tag und 800 MJ/Tag. Aber die Differenz zum Afrikaner mit weniger als 2 USD/Tag und 60 MJ/Tag ist eindrücklich. 

Abb Korrelation zwischen Energiebedarf und Einkommen

 

Diese Korrelation betrachtend, stellen sich zwei Fragen:

  • 80% der Weltbevölkerung lebt in einkommensschwachen Ländern, welche weniger als 50% der Energie beanspruchen. Wie können sich diese Länder wirtschaftlich entwickeln, wenn die Energieressourcen begrenzt sind? Es ist unrealistisch, dass sich die Erdölproduktion verdoppeln wird, damit jeder Chinese ein Auto fahren kann. Entscheidend sind die unbegrenzten erneuerbaren Energien. Es ist deshalb nichts als folgerichtig, dass China auf Elektromobilität setzt und führend in der Nutzung von Solar- und Windenergie wird. 
  • Aber weshalb sind es Europa und die USA, welche seit 1750 wirtschaftlich dominieren? Mechanisierung und Dünger führten zu einer massiven Produktivitätssteigerung, getrieben von riesigen Mengen an fossiler Energie. Ian Morris, der in "Why the West rules - for now" dieser Frage nachgeht, hält fest, dass China zwischen dem 5. und 17. Jahrhundert zivilisatorisch Europa überlegen war. Wieso wurde die Dampfmaschine in Europa und nicht in China erfunden? 

 

Die Erschliessung erneuerbarer Energien ist nicht nur eine technische Frage. Wirtschaftliche Stärke basiert auf Energiezugang. Zwei Aspekte mögen den Ursprung der globalen Einkommensungleichheit erklären. Einerseits wurde bereits in Teil 1 die Schöpferische Zerstörung erklärt: Kolumbus entdeckte Amerika, weil Europa geographisch und deshalb auch geographisch zerstückelt war, während Zheng He seine Expeditionen auf geheiss vom chinesischen Kaiser einstellte. Das kleine Europa erkämpfte sich seinen Aufstieg rücksichtslos. Es dezimiert die amerikanischen Ureinwohner und fährt Kriegsschiffe auf, als China sich gegen die Opium-Lieferungen wehrt, mit denen europäische Händler die Silber-Lieferungen zu substituieren versuchen. Moralisch ist das nur verständlich, wenn man sich bewusst ist, dass Europa ein verruchter kleiner Zwerg im Vergleich zu den asiatischen Reisen war. Das ist die Essenz der schöpferischen Zerstörung: Innovative ambitionierte Zwerge stürzen die etablierten trägen Riesen. 

 

Anderseits lohnt sich ein Blick auf das Verhältnis zwischen Energiepreis und Einkommen. Die Preisrelation zwischen Arbeit, Kapital und Energie entscheidet über die Attraktivität der Industrialisierung. Ian Morris verweist diesbezüglich auf den Wirtschaftshistoriker Robert C. Allen [4]. China wie auch Europa vor dem 15. Jahrhundert sind dicht besiedelt, das Land ist knapp. Das Land - das Kapital der Landwirtschaft - ist sehr teuer im Verhältnis zur Arbeit. In dieser alten Welt kann ein zusätzlicher Arbeiter die Produktion nicht signifikant steigern; das Einkommen der Bauern ist tief (und der Adel, der den Boden kontrolliert, reich). In der neuen Welt, in Nordamerika, sind die Löhne höher, da jeder zusätzliche Farmer "neues" Land (gestohlen von den Ureinwohnern) kultivieren kann. Während die Überbevölkerung Europas nach Amerika abwandert, steigen auch die Einkommen in Europa. Mechanisierung lohnt sich - nur - wenn Arbeit relativ zu Kapital teuer ist. Im dicht besiedelten China hätte ein Traktor die Getreideproduktion nicht erhöhen können; aber die landwirtschaftliche Mechanisierung erhöht die Produktion in den Great Plains von Nordamerika. 

 

Die Mechanisierung war getrieben von fossilen Brennstoffen. Zwei Energie-Einsatz-Arten können unterschieden werden: Einerseits ein Traktor oder eine Textilmaschine, welche menschliche Arbeit ersetzt - aber nicht die Produktion pro Hektar bzw. pro Kapitaleinsatz erhöht. Andererseits ermöglicht eine Wasserpumpe je nach Region eine zweite Ernte, und auch Dünger - produziert mit viel Energie - steigert die Produktion pro Hektar. In Europa war und ist Energie billig relativ zum Einkommen; aber wenn der Industrialisierungs-Prozess homogen auf der ganzen Welt stattgefunden hätte, wäre der Preis der (fossilen) Energie schnell angestiegen, und hätte den Anreiz zu weiterer Industrialisierung gemindert. Der energie-intensive Lebensstil, der sich eine Minderheit auf dieser Erde leisten kann, hätte sich kaum entwickeln können, wenn die Entwicklung nicht begrenzt im westlichen Kulturraum stattgefunden hätte. In anderen Teilen der Welt ist das globale Energiepreis-Niveau relativ zum lokalen Einkommen zu verstehen. In einkommensschwachen Ländern ist Energie ist im Verhältnis zu Arbeit teuer und deshalb Industrialisierung einfach nicht lohnenswert. 

Industrialisierungs-Zyklus

 

Noch profitabler als Industrialisierung mit hohen Arbeitskosten in Europa ist die Produktion in einkommensschwachen Ländern für Länder mit hoher Kaufkraft. Dies aber wird langfristig kaum funktionieren, weil die Kaufkraft in Europa und den USA schwindet, wenn die Arbeitsplätze ins Ausland abwandern. Aber mittelfristig ist das die Chance von Niedriglohn-Ländern. Heute verdient ein chinesischer Arbeiter bereits mehr als jener in Mexiko oder Osteuropa. Wenn sich das chinesische Einkommen verdreifacht, mag die resultierende Energienachfrage den Energiepreis verdoppeln (wenn Energie begrenzt ist). Für einen Chinesen wurde der Energiepreis relativ zum Einkommen trotzdem billiger. Für einen US-Amerikaner ist es jedoch ein schwerer Schlag, wenn sich der Energiepreis verdoppelt und billige Importe aus China entfallen. Ist eine Welt mit weniger Einkommensungleichheit denkbar? Mit unbegrenzten, erneuerbaren Energien - Ja. 

Bewirtschaftung der Einkommensungleichheit

Schere Kapitaleinkommen / Lohneinkommen -> mangelnde Nachfrage bremst Wirtschaftswachstum

 

Güter-Bewertung von Kaufkraftverteilung abhängig. Bsp Indien Getreideexport.

Überwindung der Einkommensungleichheit

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Empfehlenswerte Solargenossenschaften:

Genossenschaft Solar St.Gallen, gegründet 2012, produziert Solarstrom für über 300 Haushalte. Innert 3 Jahren hat ibee studer Projekte mit über 1000 kWp ans Netz begleitet.

www.solar-sg.ch

ADEV Energiegenossenschaft bzw. ADEV Solarstrom AG, Betreiber von über 50 Solarstromanlagen in der ganzen Schweiz, sowie Wasser-/Windkraftanlagen und Holz/BHKW-Wärmeverbünden. Hierfür habe ich gearbeitet, bevor ich in St.Gallen selbstständig wurde.

www.adev.ch 

Befreundete Energiefachleute:

 

INES Energieplanung GmbH

www.ines-energy.ch (Bern)

 

EBF GmbH Energy Biosphere Food

www.ebf-gmbh.de (Heppenheim)